Lethe-Effekte – Forensik des Vergessens. Interdisziplinäre und internationale Tagung an der Universität Łódź, 9.-11.10.2019

Lethe-Effekte – Forensik des Vergessens. Interdisziplinäre und internationale Tagung an der Universität Łódź, 9.-11.10.2019

Der mythologische Fluss des Vergessens fungierte als Ausgangs- und Anknüpfungspunkt von Vorträgen, die sich mit Lethe-Effekten nicht nur im Bereich der Literatur (Prosa, Lyrik, Graphic Novel) beschäftigten, sondern diese auch in anderen Medien (Theater, Film, Fotografie) aufspürten. Veranstalterin war Dr. phil. habil. Gudrun Heidemann, die Kolleg*innen aus Polen, Deutschland und der Schweiz zur Erforschung des Vergessens in Anlehnung an, aber auch deutlicher Abgrenzung von etablierten Erinnerungsdiskursen einlud. Vorgetragen und diskutiert wurde über:

Vergessen im poetischen Widerspruch

Iris Hermann (Bamberg):
Schreiben als Vergessen. Prozeduren der Auslöschung und des Auflösens im poetischen Prozess

Jadwiga Kita-Huber (Kraków):
„Heimgeführt ins Vergessen“. Paradoxien des Vergessens in der Lyrik Paul Celans

Geopoetik des Vergessens

Joanna Jabłkowska (Łódź):
Dresden in Berlin vergessen: Rom als Dresden-Projektion bei Durs Grünbein

Vergessen im/als Film

Irina Gradinari (Hagen):
Die Frau als Allegorie des Vergessens. Zum osteuropäischen Kriegsfilm

Sabine Hänsgen (Zürich/Bochum):
Trümmer des Imperiums. Vergessen und Erinnern in der medialen Reflexion der russischen Revolution

Bewertung des Vergessens

Carola Hilmes (Frankfurt am Main):
Versperrt, verschüttet, vergessen. Zum Verschwinden des Menschen im Tableau der Natur in Frischs Erzählung „Der Mensch erscheint im Holozän“ (1979)

Karolina Sidowska (Łódź):
Vergessen als Befreiung – ein Versuch zum Roman Milan Kunderas

Vergessen im grafisch-verbalen Austausch

Kalina Kupczyńska (Łódź):
„Denn Wasser ist Erinnerungsträger“. Anke Feuchtenbergers Ostalgie-Vergessenheit

Gudrun Heidemann (Łódź):
Grafisch reloaded – Lethotechniken mit dem Zeichenstift in Agata Baras Ogród/Der Garten und Birgit Weyhes Im Himmel ist Jahrmarkt

Potenziertes Vergessen auf und außerhalb der Bühne

Artur Pełka (Łódź):
Vergessen des Vergessens. Zur Inszenierung „Die letzten Zeugen“ von Doron Rabinovici

Monika Wąsik (Łódź):
Propaganda des Vergessens. Auslöschung deutscher Theaterkünstler im Schweizer Exil 1933-1945

Vergessen und Wiederkehr nach 1989

Inga Probst (Leipzig):
Im Abraum des Vergessens: Wolfgang Hilbigs literarische Bergungs-Arbeiten

 

Zum abendlichen Rahmenprogramm gehörten eine Lesung der Bachmann-Preisträgerin Tanja Maljartschuk aus Blauwal der Erinnerung, ein Roman, der 2016 unter dem ukrainischen Titel Забуття (Zabuttja, dt. Vergessenheit) erschien, sowie die Filmvorführung von Regina Schillings Titos Brille (2014) nach der gleichnamigen Autobiografie von Adriana Altaras.

Für die finanzielle Förderung danken die Veranstalterin und die Teilnehmer*innen dem DAAD, dem Österreichischen Kulturforum Warschau sowie dem Institut für Germanistik an der Universität Lodz.

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